THW-Projekt BOSNET: Desinformation im Bevölkerungsschutz erkennen

Artikel vom 15. Juli 2026
Fortbildung

Das THW beteiligt sich am Forschungsprojekt »BOSNET«. Im Fokus stehen KI-gestützte Analyse, Bewertung von Verdachtsfällen und ein behördenübergreifender Wissensaustausch für BOS im Umgang mit digitaler Desinformation.

(Bild: THW)

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) beteiligt sich unter Leitung der Universität Potsdam am neuen Forschungsprojekt »BOSNET«. Das Vorhaben untersucht, wie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben digitale Desinformation besser bewerten und Wissen dazu übergreifend austauschen können. Ziel ist es, staatliche Institutionen im Umgang mit sicherheitsrelevanten Falschinformationen in digitalen Medien zu unterstützen und ihre Handlungsfähigkeit im Bevölkerungsschutz zu stärken.

Die Einsatzorganisation bringt dafür Erfahrungen aus dem virtuellen Raum ein. Eine wichtige Rolle spielt das »Virtual Operations Support Team« (VOST), das in den vergangenen zehn Jahren Erkenntnisse aus Einsätzen gesammelt hat. Diese Praxis soll in die Entwicklung von Lösungen einfließen, die Behörden bei der Bewertung von Verdachtsfällen und bei der Reaktion auf Desinformation helfen.

Analyse und Vernetzung für BOS

Im Mittelpunkt des bis Juni 2029 terminierten Forschungsvorhabens stehen zwei Ansätze: Zum einen soll ein KI-basiertes Analysemodul entwickelt werden, das Desinformation leichter erkennbar macht. Zum anderen ist ein Vernetzungstool geplant, das BOS als Wissensdatenbank dienen soll. Dort sollen Informationen zu Desinformationsfällen und zu behördlichen Reaktionen zusammengeführt werden.

Diese Struktur soll es ermöglichen, Erfahrungen nachvollziehbar zu dokumentieren und für weitere Fälle nutzbar zu machen. Behörden könnten dadurch schneller einschätzen, ob ein Verdacht auf Desinformation vorliegt, welche Reaktionen bereits erprobt wurden und wie sich das eigene Vorgehen daran ausrichten lässt. Der Schwerpunkt liegt damit nicht nur auf technischer Erkennung, sondern auch auf dem Austausch von Wissen zwischen beteiligten Stellen.

KI-generierte Inhalte und Deepfakes im Blick

Das Projekt greift auch aktuelle Debatten zu KI-generierter Desinformation und sogenannten »Deepfakes« auf. Solche Inhalte können die Einschätzung von Lagen erschweren, wenn sie sicherheitsrelevante Informationen verfälschen oder das Vertrauen in staatliche Institutionen beeinträchtigen. Die geplanten Werkzeuge und Strukturen sollen dazu beitragen, Verdachtsfälle systematischer zu bewerten und behördliches Handeln nachvollziehbar zu unterstützen.

Für den Bevölkerungsschutz ist dabei entscheidend, dass digitale Informationen in Einsatz- und Krisenlagen belastbar eingeordnet werden können. Wenn Falschinformationen früh erkannt und bewertet werden, können Behörden gezielter kommunizieren und reagieren. Das Forschungsvorhaben verbindet deshalb technische Analyse, organisatorische Vernetzung und praktische Erfahrung aus dem Einsatzkontext.

Partner und Förderung

Finanziert wird das Vorhaben im Rahmen des Förderprogramms »Vertrauen in Demokratie und Staat: Digitale Desinformation erkennen und abwehren« mit rund 2,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Universität Potsdam koordiniert das Projekt. Wissenschaftliche Partner sind die Universität Bamberg, die Universität Tübingen mit dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, die Universität zu Köln sowie der Wirtschaftspartner Virtimo AG.

Der Behördenpartner ist vor allem an praxisnahen Lösungen für den Umgang mit sicherheitsrelevanter Desinformation im Bevölkerungsschutz beteiligt. Die ehrenamtlich getragene Einsatzorganisation des Bundes stützt ihre Arbeit bundesweit auf rund 88.000 Freiwillige. Mit Fachleuten, Technik und Einsatzerfahrung unterstützt sie im Auftrag der Bundesregierung auch internationale Hilfeleistungen, darunter technische und logistische Aufgaben im Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union sowie im Auftrag von VN-Organisationen.

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