EU-Projekt »PARATUS« stärkt Vorsorge für kaskadierende Risiken

Artikel vom 5. Oktober 2026
Sicherheit und Bevölkerungsschutz

Das EU-geförderte Projekt »PARATUS« bündelt Werkzeuge, Methoden, Open-Access-Forschung und Leitlinien, um Europa besser auf kombinierte und kaskadierende Katastrophen vorzubereiten – von Hitzewellen über Waldbrände bis zu Blackouts.

(Bild: PARATUS)

Hitzewellen, Waldbrände, Blackouts und Störungen von Kommunikationsnetzen treten nicht immer isoliert auf. Fällt ein kritisches System aus, kann das Folgen für weitere Infrastrukturen, Einsatzabläufe und betroffene Bevölkerungsgruppen haben. Genau diese Dynamik beschreibt der Ansatz kombinierter und kaskadierender Risiken: Mehrere Gefahren entstehen gleichzeitig oder nacheinander, beeinflussen sich gegenseitig und können dadurch Schäden auslösen, die über ein einzelnes Ereignis hinausgehen.

Mit »PARATUS« endet im September 2026 ein EU-gefördertes Forschungsprojekt, das hierfür Werkzeuge, Methoden und Empfehlungen entwickelt hat. Im Mittelpunkt standen eine Multi-Hazard-Risikoanalyse, Szenarioanalysen, die Einbindung von Stakeholdern sowie Anwendungen, die Entscheidungen in der Katastrophenvorsorge unterstützen sollen. Die Ergebnisse wurden am 29. Juni in Brüssel bei der Abschlussveranstaltung vorgestellt, einen Tag vor den Disaster Resilience Days der Europäischen Kommission.

Katastrophen als vernetzte Ereignisse betrachten

Das Projekt zeigt, warum Vorsorge über die Betrachtung einzelner Gefahren hinausgehen muss. Eine Hitzewelle kann Waldbrandrisiken erhöhen und Energieversorgungssysteme belasten. Ein Waldbrand kann Infrastruktur beschädigen und Kommunikation unterbrechen. Ein Erdbeben kann gleichzeitig Verkehr, Energieversorgung und Einsatzorganisationen treffen. Wenn kritische Systeme eng miteinander verbunden sind, kann der Ausfall eines Bereichs weitere Ausfälle nach sich ziehen.

Neben technischen Analysen rückt der Ansatz auch sozio-technische Faktoren in den Fokus. Dazu gehören die Rolle von Bürgerinnen und Bürgern, Kindern, älteren Menschen sowie spontanen Freiwilligen. Für eine belastbare Vorsorge reicht es demnach nicht, Risiken zu modellieren und Einsatzpläne zu erstellen. Wichtig ist auch zu verstehen, welche gesellschaftlichen Faktoren Risiken verringern oder verstärken und welche Abläufe in Krisen tatsächlich funktionieren.

Leitlinien, Repositorien und offene Forschung

Ein Ergebnis ist der Beitrag zu einem CEN Workshop Agreement mit dem Titel »Guidelines for Disaster Risk Preparedness Solutions – Project tools, platforms and processes – Good practice recommendations«. Die Leitlinien greifen den Bedarf nach mehr Standardisierung in der Katastrophenvorsorge auf. Schon früh sollen Projekte klären, wie Ergebnisse langfristig verfügbar bleiben: etwa durch Hosting, den Erhalt von Webdomains sowie den Zugriff auf Dokumentation, Datensätze und Trainingsmaterialien.

Der Entwurf betont gemeinsame Repositorien, Auffindbarkeit, Interoperabilität, Beteiligung von Communities und kooperative Netzwerke. Damit soll Forschung nicht nach Projektende verschwinden, sondern für Behörden, Organisationen, Forschende und weitere Akteure nutzbar bleiben. Ergänzend wurden frei zugängliche Fachbeiträge veröffentlicht, darunter Erkenntnisse aus vier Fallstudien.

Wissen über Projektlaufzeiten hinaus sichern

Nach Projektende soll der Disaster Risk Stakeholder Hub die weitere Nutzung unterstützen. Die Plattform bündelt Ergebnisse und frei zugängliche Werkzeuge aus mehreren europäischen Vorhaben und bietet Raum für Austausch zu gesellschaftlicher Resilienz und systemischen Risiken. So sollen Methoden, Netzwerke und Erkenntnisse aus der europäischen Forschung länger verfügbar bleiben und die Zusammenarbeit in der Katastrophenvorsorge stärken.

Die zentrale Botschaft lautet: Vorbereitung darf nicht bei der Vorhersage der nächsten Gefahr enden. Europa muss auch die möglichen Kettenreaktionen danach in den Blick nehmen – von Abhängigkeiten kritischer Infrastrukturen über Kommunikationsausfälle bis zu gesellschaftlichen Verwundbarkeiten.

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