DGU-Fahrplan für krisenfeste Traumaversorgung im Ernstfall

Artikel vom 5. August 2026
Service- und Dienstleistungen

Die DGU skizziert im »Weißbuch 3K«, wie die Traumaversorgung bei Anschlägen, Katastrophen, Pandemien und im Bündnisfall koordiniert werden kann. Im Mittelpunkt stehen bestehende Traumanetzwerke, Kliniksteuerung, Qualifizierung, Materialreserven und klare Zuständigkeiten.

Die veränderte Sicherheitslage in Europa stellt auch die medizinische Verletztenversorgung vor neue Anforderungen. Das neue Weißbuch »Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)« beschreibt, wie die Versorgung Verletzter bei Anschlägen, Naturkatastrophen, Pandemien oder im Bündnisfall bundesweit koordiniert werden kann. Im Kern steht der Ansatz, vorhandene Strukturen weiterzuentwickeln, statt zusätzliche Parallelstrukturen aufzubauen.

Die »TraumaNetzwerke DGU®« sollen dafür fest in die nationale Leit- und Verteilungsstruktur der Verletztenversorgung eingebunden werden. Sie bilden bereits heute die Grundlage für die koordinierte Schwerverletztenversorgung in Deutschland. Mehr als 600 zertifizierte Kliniken arbeiten in über 50 regionalen Netzwerken zusammen. Dieses Wissen über Kompetenzen, Kapazitäten und Zuständigkeiten soll im Krisenfall genutzt werden, um Patientinnen und Patienten schnell in geeignete Kliniken zu steuern.

Verteilung nach Kapazität und Expertise

Bei einem Massenanfall von Verletzten kommt es darauf an, einzelne Krankenhäuser nicht zu überlasten und vorhandene Ressourcen gezielt einzusetzen. Statt alle Verletzten in die nächstgelegene Klinik zu bringen, sollen sie dorthin verteilt werden, wo die passende medizinische Expertise und freie Kapazitäten vorhanden sind. Das Prinzip ist aus schweren Unfalllagen bekannt, müsste im Bündnisfall jedoch überregional und über längere Zeiträume hinweg funktionieren.

Das Weißbuch leitet daraus vier politische Maßnahmen ab: Bestehende Traumanetzwerke sollen in die nationale Verteilungsstruktur eingebunden werden. Medizinisches Personal soll gezielt qualifiziert und regelmäßig auf außergewöhnliche Schadenslagen vorbereitet werden. Krankenhäuser sollen durch Materialreserven, sichere Lieferketten und verlässliche Finanzierung krisenfester werden. Zudem soll ein Gesundheitssicherstellungsgesetz klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit für die medizinische Versorgung im Ernstfall schaffen.

Interdisziplinäre Versorgung komplexer Verletzungen

Die Versorgung Schwerverletzter in Krise, Katastrophe und Bündnisfall ist nur interdisziplinär und multiprofessionell zu leisten. Deshalb wurde das Weißbuch gemeinsam mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und weiteren medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet. Ein Beispiel für diesen Ansatz sind die seit Juni 2026 zertifizierten orthoplastischen Kompetenzzentren in Deutschland. Dort arbeiten Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Plastische und Rekonstruktive Chirurgie eng zusammen, um komplexe Explosions- und Mehrfachverletzungen zu behandeln.

Langfristig soll jedes regionale Traumanetzwerk über mindestens ein solches Zentrum verfügen. Damit verbindet das Papier klinische Versorgungssteuerung, Qualifizierung, Ressourcenmanagement und rechtliche Vorbereitung zu einem Konzept für die Verletztenversorgung in außergewöhnlichen Lagen.

Das Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise und Krieg (3K)“ steht hier zum Download bereit.

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