ADAC Luftrettung eröffnet nachhaltige Station in der Westpfalz
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Die ADAC Luftrettung hat in Rockenhausen/Dörnbach eine nachhaltig geplante Luftrettungsstation in Betrieb genommen. Der Standort für »Christoph 66« setzt auf Holzbau, Gründach, Photovoltaik, Batteriespeicher und geothermisch unterstützte Wärmepumpe.

»Christoph 66« im Anflug auf die Luftrettungsstation Westpfalz mit Doppelhangar; die Einsätze disponiert die Integrierte Leitstelle Kaiserslautern. (Bild: ADAC Luftrettung / Timo Scharnowski)
Im rheinland-pfälzischen Rockenhausen/Dörnbach ist eine nachhaltig errichtete Luftrettungsstation eingeweiht worden. Die Versorgung mit schneller Hilfe aus der Luft ist damit bis ins Jahr 2048 gesichert. Der Neubau wurde wegen effizienter Energienutzung und Ressourcenschonung von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zertifiziert.
Die ADAC Luftrettung verantwortete Bau, Planung und Finanzierung des Projekts. Hintergrund war eine europaweite Ausschreibung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums für den Luftrettungsstandort Westpfalz. Sie schrieb ein Nachhaltigkeits- und Energiekonzept vor und umfasste eine Stationierung über 25 Jahre. Bei der Umsetzung wurden lokale Partner eingebunden, darunter Bauunternehmen aus der Region. Auch Empfehlungen der örtlichen Feuerwehr flossen in das Brandschutzkonzept ein.
Finanzielle Rahmenbedingungen bleiben aus Sicht des Betreibers angespannt: Ein starrer Kostendeckel des Bundesgesundheitsministeriums erschwere die Finanzierung solcher Projekte und könne die Notfallversorgung belasten. Erwartet wird daher eine Öffnungsklausel für die medizinische Notfallrettung im Rahmen der geplanten Reform.
Konzept und Bauweise
Die Station ist mit Blick auf die lange Laufzeit mit einem Doppelhangar geplant. So kann bei Bedarf ein zweiter Rettungshubschrauber aufgenommen werden, etwa um zusätzliche Kapazitäten bei Großschadensereignissen oder Naturkatastrophen bereitzustellen. Stationsgebäude und Hangar wurden in Holzbauweise errichtet; Kunststoffe wurden vermieden.
Im Erdgeschoss befinden sich ein Medizinraum, ein Desinfektionsraum und zwei Büroräume. Das Obergeschoss bietet einen Schulungsraum für bis zu 30 Personen sowie zehn Ruheräume mit erhöhtem Schallschutz für Pausen zwischen den Einsätzen. Ein Gründach schützt vor starken Temperatureinflüssen. Ein Regenwassertank unterstützt einen schonenden Wasserverbrauch.
Beheizt wird das Gebäude über eine Wärmepumpe mit geothermischer Unterstützung. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher ermöglicht eine Eigenstromversorgung von bis zu 75 Prozent. Bei Stromausfall kann die Station über eigene Aggregate weiterbetrieben werden. Ergänzt wird das Konzept durch Ausgleichsmaßnahmen wie Brachflächen und Streuobstwiesen.
Betrieb und Einsatzgebiet
»Christoph 66« ist der einzige notarztbesetzte Rettungshubschrauber mit Rettungswinde in Rheinland-Pfalz. Gerade im ländlichen Raum kann er Menschen in Notsituationen schnell eine Notärztin oder einen Notarzt zuführen und sie bei Bedarf in ein Krankenhaus bringen.
In Dörnbach arbeiten drei Piloten und drei Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation Winde. Ergänzt wird der Personalstamm durch 15 Notärztinnen und Notärzte von Kliniken aus Homburg und Kaiserslautern. Das Einsatzgebiet umfasst die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern, die Landkreise Kusel und Birkenfeld sowie den Donnersbergkreis. Für Patientenverlegungen wird der Hubschrauber in ganz Rheinland-Pfalz eingesetzt. Außerdem fungiert er als offizieller Intensivtransporthubschrauber des Saarlandes.
Der tägliche Rettungsbetrieb beginnt mit Sonnenaufgang, frühestens um 7 Uhr, und endet mit Sonnenuntergang. Alarmiert wird die Crew von der Rettungsleitstelle Kaiserslautern. Der Hubschrauber des Typs »H145« zeichnet sich durch geringe Geräuschemissionen in seiner Leistungsklasse aus. Bei Bedarf könnten künftig auch Einsätze in Dämmerung oder Dunkelheit übernommen werden. Im vergangenen Jahr wurden die Crews 1530-mal alarmiert, davon 112-mal zu Einsätzen mit Rettungswinde. Seit der Stationierung in der Westpfalz im Jahr 2019 wurden mehr als 11.000 Einsätze geflogen.
Die gemeinnützige Organisation betreibt 37 Stationen und zählt bis heute mehr als 1,3 Millionen Einsätze. Die Rettungshubschrauber sind Teil des deutschen Rettungsdienstsystems und werden über die Notrufnummer 112 durch die Leitstellen angefordert. Ergänzend gehören telemedizinische Notarztdienste, Training der Crews sowie Wartung und technische Bereitstellung zum Umfeld der Organisation.



