»Rosenbauer RT« spart Zeit im Praxistest mit 424 Einsätzen
Löschfahrzeuge
Eine Auswertung von 424 realen Einsätzen zeigt: Der vollelektrische »Rosenbauer RT« war in 72 Prozent der Fälle schneller am Einsatzort als Diesel-Löschfahrzeuge. Auch bei Löschwasser, Atemschutz, Ergonomie und Wirtschaftlichkeit ergaben sich Vorteile.

(Bild: Rosenbauer)
Ein einjähriger Praxistest im Großraum Melbourne hat die Einsatzleistung eines vollelektrischen Löschfahrzeugs mit dieselbetriebenen Fahrzeugen der Flotte von Fire Rescue Victoria verglichen. Der vollelektrische »Rosenbauer RT« wurde 2025 in einem Shadowing-Modell eingesetzt: Er rückte als zusätzliches Fahrzeug parallel zu konventionellen Löschfahrzeugen zu realen Einsätzen aus. Ziel war es, technische Leistungsfähigkeit, Sicherheit, Umweltwirkung und Praxistauglichkeit unter Einsatzbedingungen zu prüfen.
In der ersten Testphase absolvierte die Eastern Hill Fire Station 283 Einsätze in einem dicht bebauten innerstädtischen Gebiet mit Hochhäusern, starkem Verkehr und schwierigen Zufahrten. In der zweiten Testphase kamen 141 auswertbare Einsätze der Brooklyn Fire Station hinzu. Dort lagen die Schwerpunkte in vorstädtisch und industriell geprägten Bereichen mit längeren Anfahrtszeiten. Insgesamt gingen 424 reale Einsätze in die Auswertung ein.
Kürzere Anfahrt und schnellere Wasserabgabe
Bei 72 Prozent der ausgewerteten Einsätze erreichte das Testfahrzeug den Einsatzort schneller als die Diesel-Vergleichsfahrzeuge. Die durchschnittliche Anfahrtszeit lag bei 3 Minuten und 42 Sekunden. Die konventionellen Fahrzeuge benötigten im Mittel 4 Minuten und 8 Sekunden. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Zeitvorteil von 26 Sekunden. Mit zunehmender Fahrdistanz nahm der Vorsprung weiter zu.
Auch bei der Bereitstellung von Löschwasser zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Beim elektrischen Fahrzeug stand Löschwasser nach durchschnittlich 10,36 Sekunden zur Verfügung. Bei den Vergleichsfahrzeugen dauerte es im Schnitt 33,27 Sekunden. Für Einsatzlagen, in denen eine frühe Wasserabgabe die weitere Brandentwicklung beeinflussen kann, ist dieser Zeitgewinn relevant.
Ausrüstung früher verfügbar
Die Auswertung betrachtete zudem die Bereitstellung von Atemschutz und medizinischer Ausrüstung. Atemschutzausrüstung war nach durchschnittlich 55,11 Sekunden einsatzbereit, bei den Vergleichsfahrzeugen nach 70,66 Sekunden. Bei medizinischen Einsätzen stand die benötigte Ausrüstung rund 7 beziehungsweise 9 Sekunden früher zur Verfügung. Zusammen mit der kürzeren Anfahrt können dadurch erste Maßnahmen früher beginnen.
Die Einsatzkräfte bewerteten außerdem die Bedienbarkeit und die Arbeitsabläufe. 83 Prozent sahen den Ein- und Ausstieg gegenüber konventionellen Fahrzeugen als verbessert an. Die Benutzerfreundlichkeit wurde im Durchschnitt mit 8,01 von 10 Punkten bewertet. Positiv genannt wurden Ergonomie, Fahrzeuglayout, die gute Zugänglichkeit der Ausrüstung sowie die geringere Geräusch- und Vibrationsbelastung. Die Rückmeldungen der Feuerwehrkräfte wurden nach den Schichten strukturiert erfasst und flossen in die Bewertung der operativen Eignung ein.
Wirtschaftliche Bewertung
Ergänzend zur operativen Evaluation erstellte Deloitte Access Economics eine unabhängige Kosten-Nutzen-Analyse. Berücksichtigt wurden unter anderem Anschaffungskosten, Ladeinfrastruktur, Wartung, Energieverbrauch und Fahrzeuglebenszyklen. Nach dem Berechnungsmodell steht jedem zusätzlich investierten australischen Dollar ein jährlicher finanzieller Nutzen von 2,01 australischen Dollar gegenüber. Dieser Effekt ergibt sich vor allem aus geringeren Sachschäden durch schnellere Brandbekämpfung.
Werden zusätzlich positive Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung berücksichtigt, steigt das Kosten-Nutzen-Verhältnis laut Analyse auf 1:20,7. Die Anschaffungskosten amortisieren sich nach der Modellrechnung innerhalb von rund sechs Jahren.



