Neues Leitsystem für BOS-Leitstellen
Leitstellenkommunikation
Die Vivasecur GmbH stellt ihr neues Einsatzleitsystem ».anywhere« vor. Die Lösung richtet sich an Leitstellen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sowie an Sicherheitszentralen in Industrie und Infrastruktur. Im Fokus stehen Standardisierung, räumliche Flexibilität und KI-gestützte Assistenzfunktionen.

Räumliche Flexibilität, Remote-Fähigkeit und 3-Schicht-Systemarchitektur (Bild: Vivasecur).
Die Vivasecur GmbH analysiert, plant und realisiert Hard- und Softwarelösungen für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Die Einsatzleitsysteme sind für BOS-Leitstellen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei, für Werkfeuerwehren, Sicherheitszentralen in Industrieunternehmen, Tunnelleitzentralen, Energieversorger sowie Transportunternehmen konzipiert.
Die Systeme sind auf Leistungsfähigkeit ausgelegt. Das Systemdesign basiert auf einer hochverfügbaren und redundanten Architektur. Dadurch wird ein zuverlässiger Betrieb unterstützt. Anwender profitieren von einer strukturierten und zügigen Bearbeitung operativer und administrativer Aufgaben. Die Einsatzkoordination wird nachvollziehbar unterstützt.
Standardisierung und Kooperation
Standardisierung und Kooperation zwischen Leitstellen gewinnen vor dem Hintergrund gebündelter Einsatzkräfte und Ressourcen sowie des Anspruchs auf eine zeitnahe Hilfeleistung an Bedeutung. Die Leitsysteme unterstützen diese Anforderungen durch die Implementierung standardisierter Schnittstellen und Abläufe.
Als Mitglied im Expertenforum »Universelle Leitstellenschnittstelle« des PMeV bringt sich Vivasecur inhaltlich und prozessual in die Weiterentwicklung der Leitstellenkooperation ein. Anwendungsbeispiele sind die Fallübergabe, die Anforderung von Einsatzmitteln sowie die kooperative Einsatzbearbeitung. Diese Szenarien betreffen sowohl die Zusammenarbeit innerhalb der Bereiche Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei als auch die organisationsübergreifende Kooperation.
Derzeit erfolgt die Implementierung der neuen Schnittstelle UCRI 2.0 in die Leitsysteme »DALLES« und ».anywhere«. Damit wird der neue Schnittstellenstandard in die Systemlandschaft integriert und eine systemunabhängige Zusammenarbeit zwischen Leitstellen ermöglicht.
Räumliche Flexibilität und 3-Schicht-Systemarchitektur
Leitstellenarchitekturen müssen heute mehr leisten als die Bereitstellung stationärer Dispositionsarbeitsplätze. Neben der Hochverfügbarkeit rücken räumliche Flexibilität und organisatorische Resilienz in den Fokus. Gründe sind unter anderem die Bündelung von Leitstellenstrukturen, der Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit, auch bei großflächigen Schadenslagen, Pandemien oder infrastrukturellen Störungen arbeitsfähig zu bleiben.
Dezentrale Betriebskonzepte gewinnen daher an Bedeutung. Dazu zählen Ausweichleitstellen, temporäre Leitstellenstrukturen sowie unter definierten organisatorischen und sicherheitstechnischen Rahmenbedingungen Remote-Arbeitsplätze für Calltaking oder Disposition.
Die technologische Grundlage bildet eine konsequent umgesetzte 3-Schicht-Architektur aus Präsentationsschicht, Anwendungsschicht und Datenhaltungsschicht. Durch diese Struktur wird der Benutzerarbeitsplatz logisch vom Systemkern entkoppelt. Dadurch können Einsatzleitsysteme als zentrale Plattform bereitgestellt werden, auf die von unterschiedlichen Standorten aus zugegriffen werden kann.

KI in der Leitstelle: Vision oder Realität? (Bild: Vivasecur).
KI in der Leitstelle
Die Integration künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einem Bestandteil moderner Einsatzführung. Steigende Einsatzzahlen, unterschiedliche Kommunikationskanäle wie Telefonie, eCall, Videonotruf, Chat oder Social Media sowie komplexe Einsatzlagen erfordern technologische Unterstützung. KI-gestützte Verfahren können Entscheidungsprozesse datenbasiert begleiten, ohne die Verantwortung der Disponentinnen und Disponenten zu ersetzen.
Im Mittelpunkt steht die Priorisierung und Klassifikation eingehender Notrufe. Mithilfe von Natural Language Processing (NLP) werden Gesprächsinhalte in Echtzeit analysiert, strukturiert und Einsatzkategorien zugeordnet. Machine-Learning-Modelle werten historische Einsatzdaten aus und unterstützen die Einschätzung möglicher Eskalationsverläufe oder Gefährdungslagen. Die KI fungiert als Assistenzsystem, indem sie Prioritäten, Einsatzmittel oder Alarmstufen vorschlägt. Die abschließende Entscheidung verbleibt beim Fachpersonal.
Die Leitstelle der Zukunft versteht sich damit als hybrides Entscheidungsumfeld, in dem menschliche Erfahrung und technologische Unterstützung zusammenwirken.
».anywhere« – das webbasierte Einsatzleitsystem
Das webbasierte Einsatzleitsystem ».anywhere« berücksichtigt die Anforderungen von NG112 (Next Generation 112), der Richtlinie (EU) 2019/882 sowie der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Es basiert auf einer 3-Schicht-Systemarchitektur, ermöglicht flexible Arbeitsplatzkonzepte und integriert KI-gestützte Assistenzfunktionen zur Unterstützung des Dispositionsprozesses.
Die grafische Benutzeroberfläche ist auf eine strukturierte Bedienung ausgelegt. Funktionen wie KI-Assistenz und die Modellierung von Prozessen mit Business Process Model and Notation (BPMN) unterstützen eine nachvollziehbare Ablaufsteuerung.
Das System bündelt etablierte Funktionalitäten aus den Bestandslösungen. Es verfügt über einen modularen Aufbau, unterstützt eine strukturierte Tastaturbedienung und bildet Dispositionsschritte nachvollziehbar ab. Alarmpläne können verknüpft werden. Die Alarmierungsüberwachung erfolgt automatisiert und kann angepasst werden. Benutzeroberflächen lassen sich administrieren, und die Systempflege ist im laufenden Betrieb möglich. Darüber hinaus stehen umfangreiche Kartenfunktionen auf GIS-Basis zur Verfügung.
Autoren:
Robert Bitz (Bereichsleiter Vertrieb und Produktmanagement )
und Christian Möller (Chief Technologist)
Vivasecur GmbH
15234 Frankfurt (Oder)
www.vivasecur.de


