AirMed 2026: Luftrettung unter Krisen- und Kostendruck

Artikel vom 2. Juli 2026
Messen und Veranstaltungen

Der AirMed World Congress 2026 bringt vom 16. bis 18. September rund 800 Fachleute in München zusammen. In Vorträgen, Workshops und Panels geht es um Luftrettung, Ambulanzflug, Krisenmanagement und sichere Einsätze unter schwierigen Bedingungen.

Screenshot: airmed2026.com

Rund 800 Fachleute aus aller Welt treffen sich vom 16. bis 18. September 2026 in München zum »AirMed World Congress«. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie schnelle Hilfe aus der Luft auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gelingt. Genannt werden eine angespannte sicherheits- und geopolitische Lage, mehr Katastrophenereignisse sowie finanzieller Druck auf Luftrettungssysteme. Veranstalter sind die gemeinnützige ADAC Luftrettung und das European HEMS and Air Ambulance Committee (EHAC). Unter dem Motto »Beyond Boundaries« bringt der Kongress Fachleute aus Flugbetrieb, Medizin, Management und Industrie zusammen.

Das Programm umfasst mehr als 160 Plenarvorträge, 85 praxisnahe Workshops und 15 Panel-Diskussionen. Thematisch geht es unter anderem um Krisenmanagement, Versorgung bei Großschadenslagen, Ausbildung, Standortplanung, Crewkonzepte, Disposition und Qualitätsmanagement. Der Kongress will dabei keine einheitliche Lösung vorgeben, sondern unterschiedliche Ansätze für zuverlässige Abläufe, mehr Struktur und Patientensicherheit vorstellen. Die Teilnehmenden sollen daraus konkrete Impulse für bestehende Systeme oder den Aufbau neuer Strukturen mitnehmen.

Zwei Standorte für Theorie und Praxis

Eine Besonderheit des Kongresses sind die zwei Veranstaltungsorte. Im BERGSON Kunstkraftwerk in München stehen Vorträge, Analysen, Diskussionen und fachlicher Austausch im Vordergrund. Am ADAC Luftrettung Campus in Oberpfaffenhofen bei München liegt der Schwerpunkt auf praktischer Anwendung. Dort sind realitätsnahe Simulationen von Notfalleinsätzen und spezialisierte Trainingsszenarien vorgesehen. Rund 120 Referentinnen und Referenten reisen aus Asien, Nord- und Südamerika, Europa, Afrika und Ozeanien an.

Jens Schwietring, Leiter Medizin der ADAC Luftrettung und Mitglied des Programmkomitees, erklärt: »Bei der Gestaltung des AirMed 2026 Programms war uns eines besonders wichtig: Globale Herausforderungen im Gesundheitswesen erfordern eine effiziente Luftrettung, die Wissen und Praxis zusammenbringt – international vernetzt, an verschiedene Bedürfnisse angepasst und geeint in einem Ziel: die bestmögliche Patientenversorgung.«

Krisenmanagement, HEMS und Kommunikation

Konkrete Beispiele aus Hochrisiko- und ressourcenarmen Regionen sollen die Konzepte greifbar machen. Ein Vortrag zu »Preparedness and Control in Disaster Management« mit Dr. Tal-Or, Direktor des Helmsey Institute for Simulation am Zefat Academic College, greift reale Einsätze in solchen Umgebungen auf. Im Fokus stehen klare Strukturen, Vorbereitung und flexible Entscheidungen, wenn Infrastruktur ausfällt. Dr. Tal-Or bringt Erfahrungen aus Katastrophenvorsorge, Großschadenslagen-Planung, CBRNe- und Erdbebenszenarien sowie aus der Hubschrauber-Such- und Rettungseinheit 669 der israelischen Luftwaffe ein.

Der Themenblock zu Katastrophen- und Krisenmanagement reicht von HEMS-Versorgung nach schweren Erdbeben auf Basis von Erfahrungen aus Japan über ein deutsches Multi-Operatoren-Konzept der Polizei für Luftunterstützung in Katastrophenszenarien bis zu einem Fallbeispiel zur Brandkatastrophe in Crans-Montana. Ein Panel fragt: »How to communicate when everything is broken?« Dabei geht es um Kommunikationswege und -mittel unter Extrembedingungen.

Training, Technik und Industrieausstellung

Am ADAC Luftrettung Campus trainieren die Teilnehmenden im Simulator, absolvieren CRM-Einheiten (Crew Resource Management) und üben Windenoperationen. Weitere Formate behandeln Konnektivität und Telemedizin, präklinischen Ultraschall sowie Wartung und Instandhaltung (MRO) in HEMS. Damit deckt das Programm eine breite Themenpalette der Luftrettung ab und verbindet Einsatzpraxis mit strategischen Fragen.

Auch die Industrie ist eingebunden: Rund 50 Aussteller aus Luftfahrt und Medizintechnik haben ihre Teilnahme bestätigt. Gezeigt werden unter anderem Seilwinden, medizinische Kabinenausstattungen für Helikopter und Flugzeuge sowie Einsatzbekleidung. Ergänzend ist eine Exkursion zur Crashanlage des ADAC Technik Zentrums in Landsberg am Lech geplant. Dort sollen aktuelle Entwicklungen der Automobiltechnologie und ihre Auswirkungen auf technische Rettung und Notfallversorgung nachvollziehbar werden.

Tickets, weitere Informationen und Newsletter für Fachleute aus Luftrettung, Rettungsdienst, Klinik, Industrie und Behörden gibt es unter www.airmed2026.com.

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