Reanimationsregister 2025: AEDs bleiben zu selten im Einsatz
Produkte für den Rettungsdienst
Der Jahresbericht 2025 der DGAI zeigt: In Deutschland erlitten 2025 geschätzt 130.000 Menschen außerhalb von Kliniken einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Mehr Ersthelfende begannen früh mit der Wiederbelebung, AEDs wurden jedoch nur in rund zwei Prozent der Fälle genutzt.

Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters. (Bild: Mike Auerbach/DGAI e.V.)
Der außerklinische Jahresbericht 2025 wertet Daten von 208 Notarzt- und Rettungsdiensten aus ganz Deutschland aus. Sie decken eine Versorgungsregion mit rund 37 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ab. Für bundesweite Hochrechnungen wurde eine Referenzgruppe mit 56 Standorten genutzt, die besonders vollständig dokumentieren. Daraus ergibt sich: Im vergangenen Jahr erlitten in Deutschland geschätzt rund 130.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bei etwa der Hälfte, also rund 65.000 Patientinnen und Patienten, konnte der Rettungsdienst Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.
Ersthelfende starten mehr Wiederbelebungen
Mehr als jede zweite Wiederbelebung begann bereits vor dem Eintreffen professioneller Hilfe. Die Ersthelfendenquote lag 2025 bei 53,5 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres. In 38,4 Prozent der Fälle unterstützten Mitarbeitende der Leitstellen die Reanimation telefonisch. Erstmals unterscheidet der Bericht zudem zwischen »aktivierten Ersthelfenden« beziehungsweise »APP-Rettern« und »First Respondern«. Beide Gruppen waren bereits an mehr als zwölf Prozent der Reanimationen beteiligt und begannen in knapp zehn Prozent der Fälle vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit den Maßnahmen. Da die Dokumentation aktivierter Ersthelfender erst seit Mitte 2025 möglich ist, dürfte ihr tatsächlicher Anteil höher liegen.
Weiteres Potenzial sieht der Bericht bei der frühen Defibrillation. Die Anwendung automatisierter externer Defibrillatoren durch Ersthelfende blieb 2025 mit rund zwei Prozent der Reanimationsfälle niedrig. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen Hinweis, Konzepte für eine frühere Nutzung vor Eintreffen des Rettungsdienstes weiterzuentwickeln.
Häusliches Umfeld bleibt häufigster Einsatzort
Rund zwei Drittel der Reanimationsfälle betrafen Männer, gut ein Drittel Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 69,3 Jahren; knapp 46 Prozent der Betroffenen waren jünger als 70 Jahre, 32,1 Prozent älter als 80 Jahre. Bei knapp 27 Prozent lagen keine oder nur leichte Vorerkrankungen vor. In 52 Prozent der Fälle wurde eine kardiale Ursache vermutet, in 16 Prozent eine respiratorische Ursache.
Die meisten Herz-Kreislauf-Stillstände ereigneten sich im häuslichen Umfeld: Rund 70 Prozent der Reanimationsbehandlungen fanden in der Wohnung oder im Haus der Betroffenen statt. Nur etwa ein Fünftel der Fälle trat an Arbeitsplätzen, in Schulen, Sporteinrichtungen, Arztpraxen oder im öffentlichen Raum auf. Dort waren die Überlebenschancen jedoch am höchsten. In stationären Pflegeeinrichtungen blieb der Anteil der reanimierten Patientinnen und Patienten mit knapp zwölf Prozent auf Vorjahresniveau. Der Bericht verweist hier auf die Bedeutung einer vorausschauenden medizinischen Behandlungsplanung und einer dokumentierten Entscheidung darüber, welche Maßnahmen im Notfall gewünscht sind.
Beim Eintreffen des ersten Rettungsmittels lag der Mittelwert bei 6 Minuten und 40 Sekunden. 70 Prozent der Patientinnen und Patienten wurden innerhalb von acht Minuten erreicht. Das angestrebte Ziel, 80 Prozent der Betroffenen in diesem Zeitfenster zu versorgen, wurde erneut nicht erreicht. Knapp 32 Prozent erreichten das Krankenhaus mit Rückkehr des spontanen Kreislaufs. Die Überlebensrate liegt seit Jahren stabil bei knapp elf Prozent.
Atemwegsmanagement und Zugänge im Blick
Neben strukturellen Aspekten betrachtet der Jahresbericht auch die medizinische Versorgung während der Reanimation. Beim Atemwegsmanagement zeigte sich eine Veränderung: Die endotracheale Intubation, also die Sicherung der Atemwege durch einen Beatmungsschlauch, wurde seltener eingesetzt. Diese Entwicklung bewerten die Autorinnen und Autoren kritisch, da Studien aus Deutschland und Österreich eine Verbindung mit besseren Überlebenschancen zeigen. Andere Maßnahmen blieben weitgehend unverändert. Der intraossäre Zugang zur Medikamentengabe wurde mit 23,3 Prozent weiterhin häufiger genutzt, als es die 2025 aktualisierten ERC-Leitlinien empfehlen, die intravenöse Zugänge bevorzugen.





