DFV-Kongress: Bevölkerungsschutz braucht Ausbildung und Vernetzung
Service- und Dienstleistungen
Beim Bundesfachkongress des Deutschen Feuerwehrverbandes diskutierten 130 Führungskräfte, wie Bevölkerungsschutz, zivile Verteidigung und kommunale Resilienz weiterentwickelt werden können. Im Fokus standen Ausbildung, KRITIS, Blackout-Erfahrungen und Zusammenarbeit.

DFV-Bundesfachkongress 2026 (Bild: Silvia Oestreicher / DFV)
130 Führungskräfte aus Feuerwehren, Verbänden und Behörden nutzten den Bundesfachkongress zum Thema »Bevölkerungsschutz – militärische und zivile Verteidigung« für Information und Vernetzung. Zu Beginn rückte der Deutsche Feuerwehrverband den Menschen in den Mittelpunkt: Einsatzkräfte müssen vorbereitet sein, über passende Ausrüstung verfügen und geschützt sowie motiviert werden. Zugleich wurde deutlich, dass neue Bedrohungen bestehende Risiken nicht ablösen, sondern ergänzen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete die Lage unter dem Titel »Quo Vadis Bevölkerungsschutz« ein. Entscheidend seien Menschen, Fähigkeiten und Zusammenarbeit. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch eine Bevölkerung, die sich aktiv einbringt, besser vorbereitet ist und im Ereignisfall widerstandsfähiger reagieren kann.
Blackout-Erfahrung und Zivil-Militärische Zusammenarbeit
Ein Praxisbericht aus Reutlingen zeigte, wie wichtig Vorbereitung ist. Im Juni 2026 waren dort rund 7.600 Haushalte und mehrere Betriebe von einem dreitägigen Stromausfall betroffen, der vermutlich auf gezielte Brandstiftung zurückging. Bereits nach kurzer Zeit wurden Führungsstab und Verwaltungsstab eingebunden. Themen waren unter anderem Beatmungsplätze für ein Klinikum, Auswirkungen auf die Abwasserentsorgung sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Als hilfreich erwiesen sich vorab geübte Abläufe und definierte Notfallmeldepunkte.
Auch die Zivil-Militärische Zusammenarbeit war ein Schwerpunkt. Ein seit 2025 bestehender Arbeitskreis von Feuerwehr und Bundeswehr erarbeitet derzeit ein Handbuch, das Einsatzkräften in Bevölkerungsschutzlagen Orientierung geben soll. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven und Fachsprachen verständlicher zu machen. Geplant sind übersichtliche Entscheidungshilfen, technische und organisatorische Verhaltensregeln sowie Hinweise für Situationen an Einsatzstellen mit militärischem Bezug. Das Handbuch soll über die Webseite des Verbandes allgemein zugänglich sein und fortgeschrieben werden.
KRITIS-Dachgesetz und kommunale Resilienz
Das im März 2026 verkündete KRITIS-Dachgesetz wurde mit Blick auf seine Bedeutung für die Feuerwehr eingeordnet. Es definiert kritische Anlagen, Dienstleistungen und Sektoren und legt Betreibern kritischer Infrastruktur Pflichten auf. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass Feuerwehren und andere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben als öffentliche Gefahrenabwehr sowie Medien und Kulturgüter in den zehn Sektoren nicht enthalten seien.
Für Städte und Gemeinden ergibt sich daraus ein eigener Handlungsbedarf: Benötigt werden kommunale Eigenresilienzanalysen, die Versorgungsrelevanz und vorhandene Potenziale miteinander abgleichen. Kommunikation, Lagebild und Logistik wurden dabei als wesentliche Faktoren genannt, um Katastrophenlagen bewältigen zu können.
Pakt für den Bevölkerungsschutz
Zum Abschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Feuerwehr, Hilfsorganisation und Technischem Hilfswerk den »Pakt für den Bevölkerungsschutz«. Das im Mai 2026 beschlossene Finanzpaket von mehr als zehn Milliarden Euro soll bis 2029 die Modernisierung im Bevölkerungsschutz und in der zivilen Verteidigung unterstützen. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie der Pakt vor Ort wirkt, was weiterhin benötigt wird und welche Voraussetzungen für eine praktische Entlastung der Akteure geschaffen werden müssen.
Genannt wurden schnelle Entscheidungen, strukturelles Denken, die Stärkung des Ehrenamts, Vernetzung bei Übungen und Weiterentwicklung sowie ein langfristiges politisches Bekenntnis. Die begleitende Fachausstellung zeigte Perspektiven aus der Wirtschaft, darunter technische Ansätze, Lösungen zur Bevorratung von Lebensmitteln und Möglichkeiten zur Beschaffung von Lageinformationen. Freigegebene Vorträge, das Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes im Kontext der zivilen Verteidigung sowie Bilder des Kongresses werden online bereitgestellt.



