Auf das Unerwartete vorbereitet sein

Artikel vom 26. Oktober 2022
Absperrmaterial

Für Rettungskräfte auf der ganzen Welt ist eine leistungsfähige, zuverlässige Ausrüstung von absoluter Priorität, um bestmöglich für alle Situationen gewappnet zu sein. Das »Maestro«-Abseilgerät und die »Spin«-Seilrollen von Petzl zählen dabei zu den zuverlässigsten ihrer Art. Mitglieder der französischen und spanischen Bergrettung und Feuerwehr waren an der Entwicklung des Abseilgerätes beteiligt und geben einen Einblick in ihre Arbeit sowie über die Vorteile der beiden Geräte.

In Situationen wie diesen, müssen sich die Retter zu 100 Prozent auf ihre Ausrüstung verlassen können, damit alles möglichst sicher und reibungslos verläuft (Bild: Gavarnie, Frankreich; Petzl).

In Situationen wie diesen, müssen sich die Retter zu 100 Prozent auf ihre Ausrüstung verlassen können, damit alles möglichst sicher und reibungslos verläuft (Bild: Gavarnie, Frankreich; Petzl).

Rettungskräfte müssen sich Tag für Tag auf neue Situationen einstellen. Neben Höhenrettungseinsätzen im urbanen Umfeld kämpfen Bergretter mit den erschwerten Bedingungen von Felswänden und Schluchten mit teilweise extrem eingeschränkten Platzverhältnissen und nahezu unmöglichen Zugangsmöglichkeiten.

Evakuierung aus einer urbanen Seilbahn. Über ein Rettungsdreieck (Rettungsweste) kann die Person sicher abgeseilt werden (Bild: Namur, Belgien; Petzl).

Evakuierung aus einer urbanen Seilbahn. Über ein Rettungsdreieck (Rettungsweste) kann die Person sicher abgeseilt werden (Bild: Namur, Belgien; Petzl).

Es gilt, bestmöglich für jede Situation gewappnet zu sein und trotzdem flexibel zu bleiben. Mit dem 2020 auf den Markt gebrachten »Maestro«-Abseilgerät, das über eine integrierte Umlenkrolle mit Rücklaufsperre verfügt, gelang der Firma Petzl dabei ein echter Durchbruch.

Mitglieder des CNEAS in Frankreich gehörten zu den Ersten, die die Vorteile des »Maestro« in Rettungssituationen erproben und nutzen konnten. Einige von ihnen waren sogar an der Entwicklung des Produkts beteiligt. CNEAS ist für die Rekrutierung der Mitglieder der Spezialeinheit »Bergrettung« des CRS, der ältesten Bergrettungsschule Frankreichs, zuständig. Die Kandidaten kommen aus ganz Frankreich und aus allen Polizeieinheiten. Nach der Auswahl und einer gründlichen Ausbildung in Chamonix werden sie einer Einheit des CRS Alpen oder des CRS Pyrenäen zugeteilt. Während ihrer Laufbahn kehren sie in regelmäßigen Abständen an das CNEAS zurück, um ihre Kenntnisse zu aktualisieren und sich neue Kompetenzen anzueignen.

Bei Einsätzen in den Bergen werden die französischen Rettungskräfte mit den unterschiedlichsten Bedingungen konfrontiert: schlechtes Wetter, Kälte, Höhe, Feuchtigkeit, Entfernung, eingeschränkte Platzverhältnisse und oft auch mit schwer verletzen und unter Schock stehenden Personen. »Wir setzen seit vielen Jahren Produkte von Petzl ein und konnten daher bei der Entwicklung eines Geräts mitwirken, das es ermöglicht, eine hilflose Person an einem gespiegelten System zu heben und abzulassen«, beschreibt einer der Rettungskräfte die Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller von Sicherungsgeräten und anderer PSAgA.

Auch Sebastián Barragan-Parreno von der spanischen Berufsfeuerwehr setzt seit vielen Jahren auf die Zusammenarbeit mit Petzl. Sebastián ist seit 14 Jahren bei der Feuerwehr tätig und hat einen eigenen Verein gegründet, das »Flojo Rescue Team«. Der von ihm geleitete Verein für Feuerwehrkräfte bietet Ausbildungen zum Thema Höhenrettung an und stellt Informationen über die verschiedenen Techniken bereit.

Die Rettung nach oben ist Teamarbeit und erfordert eine perfekte Koordination aller Beteiligten (Bild: Gavarnie, Frankreich; Petzl).

Die Rettung nach oben ist Teamarbeit und erfordert eine perfekte Koordination aller Beteiligten. Die eingesetzten Techniken sind oftmals sehr komplex, z. B. die Einrichtung eines Flaschenzugsystems mit leichten Seilrollen, Gegengewichtssystem usw. (Bild: Gavarnie, Frankreich; Petzl).

Die Rettung nach oben ist Teamarbeit und erfordert eine perfekte Koordination aller Beteiligten. Die eingesetzten Techniken sind oftmals sehr komplex, z. B. die Einrichtung eines Flaschenzugsystems mit leichten Seilrollen, Gegengewichtssystem usw. (Bild: Gavarnie, Frankreich; Petzl).

Um auch anderen Rettungskräften Einblick in neue Produkt- und Rettungstechniken zu ermöglichen, hat er die spanischen Höhenrettungstage ins Leben gerufen. Bei dem Event können die Teilnehmer ihre Fertigkeiten und Lösungsansätze perfektionieren und sich darüber hinaus kennenlernen und austauschen. Die Veranstaltung wurde bereits sieben Mal durchgeführt.

Unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten

Was ist nun das Besondere am »Maestro«? Es ist ein eigens für technische Rettungseinsätze konzipiertes Abseilgerät und erleichtert das Handling von schweren Lasten sowohl beim Ablassen als auch beim Hochziehen – und es kann sowohl als erstes Sicherungssystem als auch zur redundanten Sicherung eingesetzt werden. Die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten erlauben es den Rettungskräften, sich auf alle Eventualitäten am Einsatzort einzustellen. Der ergonomisch geformte Hebel und die integrierte Bremse ermöglichen eine komfortable Steuerung des Abseilvorgangs, der Übergang von der Position »Ablassen« in die Position »Heben« erfolgt unmittelbar, ohne die Last verlagern zu müssen – ein riesiger Vorteil.

Durch die Technik des gespiegelten Systems, kann durch das »Maestro« die traditionelle Vorgehensweise mit einem Zug- und einem Backup-Seil ersetzt werden und ermöglicht dadurch die Durchführung eines Einsatzes mit weniger Personal. Bei Tests reichten zwei Rettungskräfte aus. »Außerdem sind wir damit nicht den gleichen Gebrauchseinschränkungen (Höhe, eingeschränkte Platzverhältnisse, Kälte) wie beim Einsatz einer Winde ausgesetzt. Das ›Maestro‹ erfüllt unsere Anforderungen: Es ist robust, leicht, vielseitig einsetzbar und selbst blockierend und somit sehr sicher«, ergänzt ein Bergretter des CRS.

»Maestro« und »Spin«-Rollen kombinieren

Ob bei der Berg- oder Höhenrettung, die Vorteile des »Maestro«-Abseilgerätes werden von Rettungskräften aufgrund seiner zuverlässigen Eigenschaften weltweit geschätzt.

Bergrettungsübung am Mont Veyrier in den französi-schen Alpen bei Annecy. Ablassen der verunfallten Person mit zwei parallel installierten »Maestro«-Abseilgeräten (Bild: Petzl).

Bergrettungsübung am Mont Veyrier in den französischen Alpen bei Annecy. Ablassen der verunfallten Person mit zwei parallel installierten »Maestro«-Abseilgeräten (Bild: Petzl).

In Kombination mit den Petzl »Spin«-Rollen lässt sich ein zuverlässiges Rettungssystem aufbauen, um beispielsweise für die Rettung unerlässliche Flaschenzüge einzurichten.

Derzeit besteht die »Spin«-Reihe aus fünf Varianten der Umlenkrolle. Dank eines hohen Wirkungsgrads und integriertem Wirbel in einfacher oder doppelter Version lassen sich so neben komplexen Flaschenzugsystemen auch Hilfsseilbahnen oder Umlenksysteme aufbauen.

Personen-Evakuierung aus einer Schlucht. An einem Hauptseil ist ein Seilbahnläufer, als Kombination aus zwei »Spin«-Seilrollen und Riggingplatte, montiert. Das gesamte System ist noch über ein Rücksiche-rungsseil (oben) abgesichert (Bild: Gavarnie, Frank-reich; Petzl).

Personen-Evakuierung aus einer Schlucht. An einem Hauptseil ist ein Seilbahnläufer, als Kombination aus zwei »Spin«-Seilrollen und Riggingplatte, montiert. Das gesamte System ist noch über ein Rücksicherungsseil (oben) abgesichert (Bild: Gavarnie, Frank-reich; Petzl).

Ein weiterer Vorteil der Umlenkrollen: Sie lassen sich auch mit Handschuhen schnell und einfach in drei Schritten öffnen, selbst wenn sie am Anschlagpunkt befestigt sind. So kann das Gerät beim Einlegen des Seils am Anschlagpunkt eingehängt bleiben. Ein roter Indikator ist sichtbar, solange das Seitenteil nicht verriegelt ist, das ist praktisch und das spezielle Design der Seitenteile schützt zudem vor Seilabrieb.

Der Wirbel aller »Spin«-Rollen erleichtert zudem das Ausrichten der belasteten Umlenkrolle und erleichtert so das Handling ungemein. Auch, weil in diesen Wirbel bis zu drei Karabiner eingehängt werden können. Den ausgezeichneten Wirkungsgrad von bis zu 95 % verdanken die Umlenkrollen ihrem gekapselten Kugellager. Ein wichtiger Faktor, um insbesondere den erforderlichen Kraftaufwand zum Heben von Lasten mit einem Flaschenzug zu reduzieren. Besonders die »Spin L1D« gewährleistet mit nur einer Laufrichtung und Abschrägungen an der Laufrolle einen hervorragenden Wirkungsgrad, wenn es darum geht, viel Gewicht zu bewegen. Zusätzlich werden weitere Kontaktflächen mit dem Seil geboten, um die Bremsreibung beim Ablassen zu erhöhen. In Kombination mit dem »Maestro« oder einem anderen Abseilgerät ermöglicht die Seilrolle »Spin L1D« so das Einrichten eines Umlenksystems für besonders schwere Lasten.

»Es ist toll zu sehen, wie bei unserem Event die einzelnen Teams im Wettkampf zwar gegeneinander antreten, danach aber sofort den Austausch mit den anderen suchen, um die eigene Technik zu verbessern«, erzählt Sebastián. »Wir profitieren alle von diesem Austausch, und es ist unglaublich, dass auch Herstellern wie Petzl daran gelegen ist, unsere Probleme zu kennen, um dann Produktlösungen zu entwickeln, die uns allen weiterhelfen.«  Ob spielerisch im Wettkampf oder in den zahlreichen Übungen der verschiedenen internationalen Einheiten – am Ende steht immer das Ziel, einen Rettungseinsatz für alle Beteiligten so sicher und effektiv wie möglich zu machen.

Was ist CNEAS?

Das CNEAS ist das nationale Ausbildungszentrum für Ski und Alpinismus von Frankreichs mobiler Bereitschaftspolizei CRS. Gegründet am 3. Januar 1955 ist sie die älteste Bergrettungsschule Frankreichs und Hauptsitz der Spezialeinheit »Bergrettung« des CRS. Das CNEAS ist auch auf internationaler Ebene tätig und kooperiert mit zahlreichen Ländern wie zum Beispiel Ecuador, China, Deutschland, Mazedonien und Monaco. Ausbildungen für Einsätze bei Canyoning- und Bergsportunfällen gehören hier zum täglichen Geschäft.

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