Evakuierung im Ernstfall: Viele folgen, wenige sind vorbereitet

Artikel vom 27. August 2026
Literatur

Eine forsa-Befragung im Auftrag der FOM Hochschule zeigt: Die meisten Menschen würden behördlichen Anweisungen bei einer Evakuierung folgen. Konkret vorbereitet ist aber nur eine Minderheit – etwa mit Notfallrucksack.

Prof. Dr. Henning G. Goersch ist Professor für Gefahrenabwehr und Bevölkerungsschutz. (Bild: Timo Kleinerüschkamp)

Waldbrände, Hochwasser, neue Konflikte oder Fragen der zivilen Verteidigung: Gefahrenlagen können unterschiedliche Ursachen haben. Entscheidend ist, ob die Bevölkerung behördlichen Anweisungen im Ernstfall folgt – und ob sie praktisch darauf vorbereitet ist. Eine repräsentative telefonische Befragung durch forsa im Auftrag der FOM Hochschule zeigt: Die Bereitschaft zur Mitwirkung ist hoch, die persönliche Vorsorge bleibt jedoch deutlich dahinter zurück.

Untersucht wurde anhand eines militärischen Angriffsszenarios, wie Menschen auf konkrete behördliche Anordnungen reagieren würden. Je nach Lage kann das bedeuten, Schutz im eigenen Zuhause zu suchen oder das Gebäude zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. 82 Prozent der Befragten gaben an, einer Anordnung zu folgen, zu Hause zu bleiben. 76 Prozent wären bereit, ihr Zuhause auf Anordnung zu verlassen.

Unterschiede nach Alter und Wohnort

Die Ergebnisse zeigen jedoch klare Unterschiede innerhalb der Bevölkerung. Besonders hoch ist die Bereitschaft zur Evakuierung bei den 18- bis 29-Jährigen: Neun von zehn Befragten dieser Altersgruppe würden einer entsprechenden Anordnung folgen. Bei Menschen ab 60 Jahren liegt der Anteil nur bei rund zwei Dritteln.

Auch der Wohnort spielt eine Rolle. In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern wären knapp zwei Drittel der Befragten bereit, sich evakuieren zu lassen. In Großstädten ab 500.000 Einwohnern wären es dagegen fast neun von zehn. Für Einsatz- und Evakuierungsplanung bedeutet das: Planungen sollten unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und regionale Strukturen berücksichtigen.

Notfallrucksack nur selten vorhanden

Während die grundsätzliche Handlungsbereitschaft vergleichsweise hoch ist, fällt die konkrete Vorbereitung deutlich geringer aus. Nur 15 Prozent der Befragten haben einen Notfallrucksack vorbereitet, den sie bei einer Evakuierung schnell mitnehmen könnten.

Prof. Dr. Henning G. Goersch, Professor für Gefahrenabwehr und Bevölkerungsschutz, sieht darin eine deutliche Lücke zwischen Bereitschaft und tatsächlicher Vorsorge. Die Kommunikation zur persönlichen Notfallvorsorge sollte deshalb genau dort ansetzen: Menschen wissen zwar häufig, dass sie Anweisungen folgen würden, haben aber offenbar nur selten konkrete Vorbereitungen für den Fall getroffen, dass sie kurzfristig das Zuhause verlassen müssen.

Grundlage der Befragung

Die Untersuchung wurde im Juli 2026 als repräsentative telefonische Befragung durchgeführt. Befragt wurden 1.005 Personen, alle Angaben erfolgen in Prozent. Verantwortlich für die Einordnung der Ergebnisse ist Prof. Dr. Henning G. Goersch, der die Forschungsgruppe Gefahrenabwehr leitet und Studiengänge im Bereich Gefahrenabwehr, Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz verantwortet.

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